
Bei dieser Pyramidenpappel wurden voraussichtlich aus Unwissenheit alle Stämmlinge gekappt. Dies hat zur Folge, das der Baum von den Schnittstellen ausgehend in den Stamm hinein fault und so hohl wird und die Sicherheit der neuen Astanbindungen nicht mehr gegeben ist weil diese nicht mit dem Splintholz verwachsen sind sondern nur mit der Rinde und daher schneller ausbrechen können.
Kopf- oder Kandelaberbäume
Nach einer so radikalen Maßnahme gibt es grundlegend zwei Möglichkeiten für die Gestaltung einer neuen Krone. Mit einer regelmäßig alle 1-3 Jahre durchgeführten Entfernung der neu gebildeten Austriebe würde die Krone in eine Form übeführt werden, die der eines Kopfbaumes ähnelt. Eine derartige Vorgehensweise an Bäumen mit mehreren gekappten Stämmlingen hätte eine Kandelaberform zur Folge. Auf diese Weise können nur vitale Individuen reiterationsfreudiger Baumgattungen (z.B. Kastanie, Platane, Linde und Weide behandelt werden da nach jeder Schnittmaßnahme neue Austriebe gebildet werden müssen. Dieser "nachträgliche" Kopfbaumschnitt an gekappten Bäumen führt nicht zu "echten" Kopfbäumen, weil dem Baum durch die Kappung eine große Verletzung zugefügt wurde. Das Austriebsverhalten vormals vitaler Bäume erfordert unmittelbar nach der Kappung ein sehr kurzes Pflegeintervall. Nur langsam wird dann die Wachstumsintensität der Reiterate nachlassen.
Aufbau einer artgerechten Sekundärkrone
Um eine Hierarchie in der zunächst besenförmig erscheinenden Krone wiederherzustellen, müssen Austriebe entfernt oder eingeküzt werden. Soll eine Ständervereinzelung erfolgen, ist z.B. bei Linden 3 bis maximal 4 Jahre nach der Kappung eine erste Schnittmaßnahme notwendig, um eine effektive Kompartimentierung der Wunden zu ermöglichen. An schwachen Kompartimentierern wie z.B. Weide muss der erste Pflegeeingriff nach der Kappung früher durchgeführt werden. Fehlt ein unter der Kappungsstelle alter Steilast zum Aufbau eines neuen Gipfels, sollte von den stärksten Austrieben der am besten die Stammachse fortsetzende zentrale Trieb für den Kronenaufbau ausgewählt und bis zu einem geeigneten Versorgungsast eingeküzt werden. Schwächere, insbesondere geneigte oder horizontal wachsende Austriebe können bei der ersten Pflegemaßnahme belassen werden. Damit wird erreicht, dass der geschwächte Baum etwas weniger Wunden kompartimentieren muss und mit einer größeren Menge an Assimilaten versorgt wird. So könnte man mit jedem gekappten Stämmling eines Baumes verfahren.
Text: Baumpflege 2008, Eugen Ulmer KG
